Forschungsprofil

Forschungsschwerpunkte der Abteilung Religions- und Kirchensoziologie

Das Forschungsprofil der Abteilung Religions- und Kirchensoziologie ist breit gefächert. Thematische Schwerpunkte sind (1) die Länder und Kulturen vergleichende Analyse von Bestand und Prozessen der Religiosität und Säkularität, (2) die Beschäftigung mit Wechselprozessen zwischen Politik (insbesondere Demokratie) und Religion, (3) die Bedeutung religiösen Sozialkapitals für moderne Gesellschaften sowie (4) die Bezüge zwischen Alter bzw. generationellen Prozessen und Religiositätsentwicklungen. Eine besondere und die verschiedenen thematischen Bereiche übergreifende Frage (5) ist die nach den religiösen Entwicklungen in Deutschland unter spezieller Berücksichtigung Ostdeutschlands.

Die Auseinandersetzung Religiosität und Säkularität umfasst sowohl die Betrachtung von weltweiten Säkularisierungsprozessen als auch Beobachtungen und Deutungen einer Rückkehr des Religiösen oder der Religionen. Dabei ist es Ziel die Bestimmungsgründe für unterschiedliche und auch pfadabhängige Entwicklungen herauszuarbeiten. Doch nicht nur die durch den Gegensatz Säkularisierung und Rückkehr der Religionen beschriebene Prozessebene steht im Zentrum dieses Untersuchungsfeldes, auch die Begriffsbestimmung und Bestandsbeschreibung von Religiosität und Säkularität wird bearbeitet. Dabei steht bewusst nicht eine Betrachtung der Religionen, sondern die seitens der Individuen festellbaren Haltungen, Überzeugungen und Wertmuster im Zentrum des Interesses. So wurde zum Beispiel im Forschungsprojekt "Kirche und Religion im erweiterten Europa" die Dreigeteiltheit von Säkularisierungsprozessen und deren Pfadabhängigkeit herausgearbeitet.

Den Wechselprozessen zwischen Religion und Politik wird neben generellen Betrachtungen insbesondere hinsichtlich seiner Wechselwirkungen auf der Makroebene Beachtung geschenkt. Dabei wird gefragt, inwieweit Religion zu einem Hemmfaktor von Demokratisierungsprozessen werden kann oder aber diese Demokratisierungsprozesse neue Formen des Religiösen hervorbringen. Dabei wird empirisch überprüft, inwieweit sich bestimmte religiöse Kulturen als "undemokratisch" oder zumindest sperriger gegenüber demokratischen Entwicklungen zeigen. Als maßgeblich für diese Wirkungen wird die kulturelle Verbindung zwischen dem Lebensbereich Politik und dem Lebensbereich Religion über das Individuum angesehen.

Ein ähnliches, aber noch einmal spezielleres Erkenntnisinteresse besteht hinsichtlich der Bedeutung des "religiösen Sozialkapitals". Hier wird auf die Bedeutung sozialer Netzwerke und daraus Bezug genommen. Dieser noch relativ wenig erforschte Bereich kann dabei über seine ursprüngliche Relevanz für die politische Kultur einer Gemeinschaft eine entscheidende Rolle für Revitalisierungschancen von Kirchen spielen. So erscheinen die religiösen Netzwerke geeignet die Verbindung zur "säkularen Außenwelt" herzustellen und ggf. Menschen von spezifischen religiösen Vorstellungen (zum Beispiel in Europa dem Christentum) zu überzeugen.

Für den Bereich der Beziehungen zwischen Religion und Alter wird ein Forschungsprojekt vorbereitet, welches sich den unterschiedlichen und ineinander verzahnten Einflüssen von punktuellen Ereignissen (Periodeneffekte), Sozialisation (Generationeneffekte) und Alterung (Alterseffekte) widmet. In diesem Bereich spielt insbesondere die Auseinandersetzung mit jugendlicher Religiosität eine zentrale Rolle. Dabei werden Analysen über die Wechselhaftigkeit jugendlicher Religiosität, auch in Kontrast zu älteren Personengruppen durchgeführt.

Eine zentrale Frage der Abteilung ist die Entwicklung der Religiosität und Kirchlichkeit in den neuen Bundesländern nach 1989. Zu dieser Thematik liegen bereits mehrere Veröffentlichungen vor. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auch auf der Entwicklung und Differenzierung Konfessionsloser und religiös Indifferenter sowie deren Beziehung zu Religion und Kirchen. Dies umfasst Analysen zum "neuen Atheismus" in gleicher Weise wie Beobachtungen zur Annäherung religiöser Vorstellungen in Gesamtdeutschland. Ziel ist es eine begrenzte Prognosefähigkeit für die zukünftige Entwicklung des Religiösen in Deutschland zu erreichen.

  • Der regionale Schwerpunkt der empirischen Analysen der Abteilung Religions- und Kirchensoziologie ist somit Deutschland (speziell Ostdeutschland) und Osteuropa.
     
  • Der methodische Schwerpunkt liegt auf quantitativen Analysen, wobei der Einsatz von Multi-Method-Designs für passende Forschungsarbeiten angestrebt wird.
     
  • Ein wichtiges Ziel (und auch Besonderheit der Abteilung) ist eine starke Ausrichtung auf Gesellschafts- und Kulturvergleichende empirische Analysen.
     
  • Dabei ist es der Abteilung wichtig auch eine Belebung der oftmals unterschätzten Kirchensoziologie anzugehen, ohne die Erkenntnisse der über diesen Bereich hinausgehenden Religionssoziologie zu vernachlässigen.
     
  • Die impliziert eine Verknüpfung von theologischen Inhalten, historischer Entwicklung und empirisch-soziologischer Zustandserfassung.
     
letzte Änderung: 25.05.2015