Projekte

Katholikentag(e) in Deutschland

Pressemitteilung

Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat. Münster. ISBN 978-3-95645-820-0

Auch in open access verfügbar.

(Auf dem 100.Katholikentag in Leipzig wurden wieder Besucherbefragungen durchgeführt.)

"Glauben feiern, Spaß haben und über Politik diskutieren"

Studie zu Katholikentag in Regensburg veröffentlicht

Die wichtigsten Motive für einen Besuch des Deutschen Katholikentags sind der Gewinn neuer Ideen für das eigene religiöse Leben und der Wunsch nach Gemeinschaft mit anderen Christen, aber auch das Bedürfnis, sich über gesellschaftspolitische Fragen zu informieren. Das geht aus einer Befragung unter 1.084 Besuchern des 99. Katholikentages 2014 in Regensburg hervor, die von Religions- und Kirchensoziologen der Universitäten Leipzig und Regensburg durchgeführt wurde. Prof. Dr. Gert Pickel, Yvonne Jaeckel und Dr. Alexander Yendell von der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig haben kurz vor Beginn des Deutschen Katholikentages in Leipzig (25. bis 29. Mai) ein Buch mit den wichtigsten Befragungsergebnissen veröffentlicht.

Es trägt den Titel: "Glauben feiern, Spaß haben und über Politik diskutieren - Der Katholikentag und seine Facetten - Eine religionssoziologische Studie zum Besuch des Katholikentags in Regensburg". "Damit liegt ein einmaliges empirisches Material vor, das die Debatten um religiöse Pluralisierung, Säkularisierung und Individualisierung anreichert", betont Pickel.

"Gesellschaftspolitik spielt für die Katholikentagsbesucher sogar noch eine etwas größere Rolle als für die Besucher des Deutschen Evangelischen Kirchentages", sagt Yendell. Für junge Leute habe die Religion nicht oberste Priorität. "Wir haben eine Gruppe von diesen jungen Neugierigen ausgemacht, für die der Spaß im Vordergrund steht und nicht der Glaube. Diese Gruppe macht etwa ein Viertel der Besucher aus. Sie unterscheiden sich vom Rest der Besucher", so Yendell. Ein wichtiges Zukunftspotenzial für die Katholikentage könnten mehr ökumenische Angebote sein, wie aus der Studie ebenfalls hervorgeht. "Mehr als die Hälfte der Katholikentagsbesucher würde durch mehr ökumenische Angebote stärker motiviert, an den Katholikentagen teilzunehmen", erklärt Yvonne Jaeckel.

Die Katholikentagsbesucher - es waren in Regensburg mehr als 50.000 - sind überdurchschnittlich häufig sozial engagiert. Das gilt insbesondere für die Hochreligiösen. So ist der Katholikentag, wie auch die Deutschen Evangelischen Kirchentage, ein Hort der religiösen zivilgesellschaftlich Engagierten. "Soziales Engagement innerhalb, aber auch außerhalb der Kirche wiederum stärkt soziales Vertrauen. Dieses ist unerlässlich für den sozialen Kitt in unserer Gesellschaft", meint Pickel. Bei dem Katholikentag gehe es vor allem auch um Identitätsbildung der engagierten und der Kirche in unterschiedlicher Art und Weise verbundenen Katholiken.

Auch auf dem Katholikentag in Leipzig werden die drei Autoren zusammen mit 20 Interviewern wieder Besucher befragen. "Wir freuen uns bereits auf die vielen Menschen, die geduldig und mit viel Sorgfalt unsere Fragebögen ausfüllen und so einen sehr wichtigen Beitrag zur Forschung liefern", sagt Gert Pickel, der Leiter der Studie.

Deutscher Evangelischer Kirchentag | »Der Evangelische Kirchentag – religiöses Bekenntnis, Medienevent oder politisches Statement?« ist Gegenstand eines Forschungsvorhabens von Prof. Gert Pickel, Institut für Praktische Theologie, Universität Leipzig.

Der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) hat seit seiner Etablierung nach dem Zweiten Weltkrieg (1949) eine zunehmende Bedeutung als religiöses Großereignis erlangt. Zum Kirchentag kommen evangelische Christen, Mitglieder anderer Konfessionen und Religionen und z. T. selbst Areligiöse zu gemeinsamen Diskussionsrunden, Bibelauslegungen, Gebeten aber auch gesellschaftspolitischen Diskursen zusammen.

Ausgehend von Überlegungen im 19. Jahrhundert wurde der Deutsche DEKT als Glaubensfest ins Leben gerufen, welches zu einem gemeinsamen Verständnis und einer gemeinsamen Identität als verantwortungsvolle evangelische Christen beitragen sollte. Seit 1949 machte der DEKT einige grundlegende Veränderungen durch. Die wichtigste ist eine stärkere Thematisierung gesellschaftspolitischer Fragen in den 1970er und 1980er Jahren. Ziel war es, einerseits die Anschlussfähigkeit an die sich modernisierende Gesellschaft herzustellen, andererseits den vielfältigen politischen und ethischen Positionen im Protestantismus ein Forum zu geben. Mit der Wiedervereinigung und dem Ende des Kalten Krieges schien die auch teilweise kritisch gesehene – Vermischung von Kirchentag und Politik abzunehmen. Jedoch kam es – auch aufgrund des zunehmenden Publikums- und Medieninteresses am DEKT – fortan zu negativ gefärbten Wortmeldungen über den Kirchentag als »einem protestantischen Massentreffen mit vielen bunten Events«.

Das Projekt bestimmt über die Auswertung von selbst durchgeführten Befragungen anlässlich der DEKT in Dresden 2011 und Hamburg 2013 die Bedeutung des DEKT für seine Teilnehmer. Leitende These des Projektes ist, dass bei den aktuellen Kirchentagen zwar politische Gründe für die Teilnehmer bedeutsam sind, primär aber die Stärkung und/oder Bestätigung der eigenen religiösen Identität zentrale Besuchsmotivation ist. Die reine Neugier am Event oder Teilnahme an einer Großveranstaltung steht – entgegen manch landläufiger Meinung – deutlich hinter diesen beiden Gründen der Beteiligung am DEKT zurück.

Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass nach einer stärker politisierten Phase in den 1980er Jahren nunmehr mit zunehmender Säkularisierung im deutschen Umfeld die religiöse Komponente im Sinne der Selbstbestätigung der Zugehörigkeit zum Protestantismus und zum evangelischen christlichen Glauben wieder an Bedeutung gewonnen hat. Gleichzeitig scheinen sich die politischen Orientierungen der 1980er Jahre (Friedensbewegung) über einen seither stabilen Publikumsteil fest etabliert zu haben – und über die immer stärkere Verankerung der Kirchentagbesucher im freiwilligen sozialen Engagement eine Verbindung zwischen religiösem und politischem Interesse herzustellen.

Informationen zum Projekt finden Sie auch in unserem Blog:
http://religionssoziologie-leipzig.de/kirchentag/

Abgeschlossene Projekte

  • Rezeptionsstudie zum Evangelischen Gesangbuch
     
  • Befragung der Leipziger Theologiestudierenden 2014
     
  • Studie zu den Besuchern des Katholikentages 2014
     
  • Forschungsprojekt: Church and Religion in an Enlarged Europe / Kirche und Religion im erweiterten Europa
     
  • Empirische Studie der Perikopenordnung
     
  • Studierendenprojekt: Religiöse Feiertage im Wandel 
     
  • Gemeindebefragungen in Leipzig und Sachsen
letzte Änderung: 21.06.2017